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Stromerzeugung

        - für Elektromobile


 
Oft wird der Stromverbrauch der Elektromobile problematisiert: Wo soll denn der ganze Strom für die Elektro-Autos herkommen, kriegen die Energieversorger damit nicht Oberwasser für den Weiterbetrieb ihrer Atomkraftwerke und den Zubau weiterer klimaschädlicher Kohlekraftwerke, gegen den sich Bürger an allen Ecken wehren (z.B. in Mainz/Wiesbaden oder Großkrotzenburg/­Staudinger)? Kommt der Ausbau der elektrischen Mobilität nicht am Ende doch den großen Atom- und Kohlekraftwerksbetreibern. den Energie-Oligo­polisten RWE, E-On, Vattenfall und EnBW zugute ? Sind die Elektromobile am Ende die „Nachtspeicherheizungen des 21. Jahrhunderts“, die in erster Linie den Atomkraftwerks-Strom abnehmen ?


Nun, zuerst einmal ist festzustellen, dass die zusätzlich für die Elektrifizierung des Autoverkehrs benötigte Elektrizität nicht wirklich ins Gewicht fällt: Eine Million E-Mobile (das Ziel der Bundesregierung für 2020) würden zusätzlich etwa 2 Terawatt­stunden jährlich benötigen, also weniger als ein Dreihundertstel der derzeitigen Stromproduktion. Würden 40 Millionen Autos elektrisch betrieben, so würde dies nur etwa 10 % mehr Stromverbrauch zum derzeitigen Stand bedeuten – dafür würde dann aber der Treibstoff­verbrauch um die Hälfte sinken ! Von der benötigten Elektrizitäts­menge her wird die Umstellung auf elektrische Mobilität also kein Problem darstellen, besonders wenn man zudem die enormen Einsparungs­möglichkeiten betrachtet, die sich hier durch Effizienzsteigerungen an anderer Stelle bieten.

Der derzeitige „Strommix“ wird aber in der Tat noch überwiegend von der fossilen Erzeugung bestimmt: Der Löwenanteil des Stroms kommt noch immer aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken (knapp 60%). Kernenergie hat einen weit geringeren Anteil an der Stromversorgung als es in der öffentlichen Diskussion erscheint, es sind nicht mehr als etwas über 20 %. Der Strom aus erneuerbaren Quellen (also Wind, Wasser, Photovoltaik und Biomasse) dagegen hat in den letzten Jahren bereits mächtig zugelegt und kommt mittlerweile auf über 15 % - Tendenz deutlich steigend !

Nur nach dem aktuellen deutschlandweiten Strommix beurteilt wäre der Nutzen der Umstellung des Autoantriebs auf Elektromotoren für Umwelt und Klima noch nicht allzu groß – das würde aber auch deutlich zu kurz greifen:

Denn ein großer Vorteil der E-Mobile liegt schon in ihrer weit besseren Energie­effizienz; der in einem E-Mobil eingesetzte Strom geht zu über 80% in die Fortbewegung, dagegen nutzt der Verbrenner allenfalls 20% des Treibstoffs dafür, der Rest entweicht wirkungslos als nicht benötigte Wärme. Zum anderen nutzt das E-Mobil auch die beim Bremsen entstehende Energie: Statt diese in Wärme und Materialverbrauch verpuffen zu lassen, wird der Elektromotor beim Bremsen zum Generator "umgeschaltet" und produziert Strom, den der Akku wieder speichert.

Ein Übriges kann getan werden, wenn man kleine, leichte Fahrzeuge für maßvolle Geschwindigkeiten baut, die schon von daher weit weniger Energie benötigen als die heutigen PKWs, wo es kaum noch etwas unter einer Tonne Gewicht gibt – ein TWIKE wiegt dagegen gerade einmal 250 kg.

Der insgesamt wesentlich geringere Energieverbrauch einer E-Mobil-Flotte widerlegt aber damit auch die Befürchtungen, dass dafür Atomkraftwerke länger betrieben oder Kohlekraftwerke zugebaut werden müssten: Der Umstieg auf  E-Mobile würde insgesamt schon eine enorme Einsparung am Gesamt-Energieeinsatz bedeuten, der bei entsprechenden Rahmenbedingungen im gesamten Energieerzeugungssystem (also beispielsweise der Nutzung von Kraft-Wärme-Koppelung) noch bedeutender ausfallen kann.

Einen besonderen Stellenwert haben hier auch die Erneuerbaren Energien: Werden diese zur Stromproduktion für die E-Mobile eingesetzt, dann wird der Verkehr so gut wie Abgas- und CO2-frei, es könnten 60 bis 70 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Dies erst wäre dann wirkliche "solare Mobilität".

Wie kann man diesen Einsatz Erneuerbarer Energien aber erreichen ? Nun, jeder E-Mobil-Fahrer hat es natürlich erst einmal selbst in der Hand, welchen Strom er „tankt“: Bezieht er ihn von einem Ökostromanbieter, der rein auf Erneuerbare Energien setzt, so ist seine Ökobilanz von vorneherein tadellos (bei einem mit Ökostrom betriebenen TWIKE rechnet man mit etwa 1 g CO2/km !). Mit der Nachfrage nach Ökostrom tut er daneben etwas für den weiteren Zubau von Erneuerbaren Energien, die ja derzeit infolge der Förderung deutlich auf dem Vormarsch sind.

Und wer noch mehr will, der kann den Strom für sein E-Mobil auch mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf seinem Dach erzeugen oder sich an einer „Bürger-Solaranlage“ beteiligen; diese Form der Energie­erzeugung ist sogar noch lukrativ – wenn der Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird und der Ladestrom von dort wieder entnommen wird, denn die garantierte Einspeise­vergütung für EE-Strom trägt die Investition und wirft zusätzlich noch einen Nutzen ab.

Auf diese Weise wird unsere Stromerzeugung zunehmend auf Erneuerbae Energien umgestellt: Auch wenn die großen Stromkonzerne noch an ihren Kohle- und Atomkraft­werken festhalten (und sich dafür in der Politik einige Unterstützung organi­sieren) wird mittel- und langfristig am Umschwenken auf Erneuerbare Energien kein Weg vorbeiführen – die vorhersehbaren Preissteigerungen bei Öl und Kohle und auch die notwendigen Anstrengungen zur Eindämmung des Klimawandels lassen gar keine andere Wahl: Wind und Sonne haben keinen Preis, kosten als anders als Kohle und Öl nichts, und die derzeit noch geringfügig höheren Kosten für ihre Nutzung sind in den letzten Jahren schon dramatisch gesunken und werden in den nächsten Jahren auf das gleiche und niedrigere Preisniveau der konventionellen Energieträger sinken – und die Entwicklung geht ja auch deutlich hin zur erweiterten Nutzung dieser Energiequellen. Selbst die großen Energie­erzeuger besinnen sich ja jetzt und wollen ebenfalls auf Solarstrom setzen – den sie allerdings nicht hierzulande, sondern in der Sahara („Desertec“) oder in großen Offshore-Windparks auf dem Meer erzeugen und über tausende von Kilometern lange Leitungen nach Deutschland schaffen wollen.

Bei der Nutzung Erneuerbarer Energien können E-Mobile eine ganz besondere Rolle spielen, als Kurzfrist-Energiespeicher können sie die natürlichen Schwan­kungen der Energieerzeugung durch wechselnden Wind und schwankende Sonneneinstrahlung ausgleichen: Wenn Millionen Autos ans Netz angeschlossen sind, können ihre Batterien nicht nur geladen werden, sondern im Falle plötzlichen Energiebedarfs auch wieder Strom ins Netz abgeben und es damit stabilisieren. Auf diese Weise passen Elektromobile ganz besonders zu einer Energiever­sorgung, die sich auf regenerative Quellen stützt, und können diese zukunftssichere Struktur ideal unterstützen.

Autor: Bodo Schneider-Schrimpf


Solarmobil Rhein-Main e.V.